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Die benötigten Flächen sind riesig, aber sie sind in Europa vorhanden, um unseren Energiebedarf 100% aus erneuerbarer Energie zu decken. Ob es ökonomisch sinnvoll ist, dies zu tun, ist eine andere Frage. Man kann mit Ländern zusammen arbeiten, die bessere Ressourcen haben zum Beispiel sehr viel Sonne und eine geringe Bevölkerungsdichte: die Wüstenländer.

Fakt: Heute verbrauchen über 6,5 Milliarden Menschen weit mehr natürliche Ressourcen, als die Erde regenerieren kann.

Frage: Im Jahre 2050 wird die Erde bis zu 10 Mrd. Bewohner haben. Wie sollen wir sie mit Nahrungsmitteln, Wasser, Energie und Produkten versorgen?

Antwort: DESERTEC

1: Die Wüsten der Erde empfangen in 6 Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschen in einem ganzen Jahr verbrauchen.

2: Mehr als 90% der Weltbevölkerung wohnen weniger als 3.000 km von einer Wüste entfernt.

3: Solarthermische Kraftwerke können 24 Stunden am Tag Strom nach Bedarf liefern. Sie nutzen Spiegel, um Sonnenlicht zu bündeln, in Hitze zu verwandeln und damit Dampfturbinen anzutreiben. Wärmespeicher nehmen am Tage gewonnene Wärme auf und treiben die Dampfturbinen nachts an.

4: Die Technologie ist vorhanden und zum Teil seit Jahrzehnten im Einsatz. Solarthermische Kraftwerke werden seit 1985 kommerziell im kalifornischen Kramer Junction eingesetzt.

5: Mit modernen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) lässt sich Strom mit Verlusten von weniger als drei Prozent pro 1.000 km übertragen.

2008 gründeten das TREC-Netzwerk und die Deutsche Gesellschaft Club of Rome die DESERTEC Foundation mit Sitz in Berlin. Ziel ist, 15% der Stromversorgung für Europa, den Nahen Osten und Nordafrika bis zum Jahr 2050 über regenerative Energiequellen zu ermöglichen. Das setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen der EU und Ländern des Nahen Osten und Nordafrikas voraus.

In kurzer Zeit verbreitete sich die DESERTEC-Idee weltweit. Heute gibt es verschiedene internationale Netzwerke wie zum Beispiel:
Sahara Wind
Desertec Africa
Desertec Iran
Desertec Italy
Desertec UK
Desertec Australia
Desertec India

Im Juli 2009 wurde von der DESERTEC Foudation zusamen mit der Münchener Rück die DESERTEC Industrial Initiative (Dii) ins Leben gerufen, um die Rahmenbedinungen für eine beschleunigte Umsetzung des DESERTEC-Konzepts in EUMENA (Europe, Middle East, Nordafrika) zu schaffen. Am 30. Oktober 2009 wurde dazu in München die Dii GmbH gegründet. Die Dii ist ein Joint Venture mehrere Unternehmen aus der Finanz- und Energiewirtschaft.

Voraussetzung für das Projekt ist der Ausbau eines Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzes (HGÜ) zur effizienten Überwindung der großen Distanzen. 20 Leitungen mit je 5 GW (insgesamt 100 GW) würden ca. € 45 Milliarden kosten.

Die Investition in den Bau eines 250 MW Kraftwerks mit Luftkühlung beträgt derzeit rund 1 Milliarden Euro. 1.000 MW = 1 GW würden dann 4 Milliarden Euro kosten.

Schnell gerechnet: Um 100 GW zu erzeugen und über HGÜ-Leitungen nach Europa zu transportieren würden insgesamt 445 Milliarden Euro kosten (400 Milliarden für die Erzeugung, 45 Milliarden für die Leitung.

4,45 Milliarden Euro pro GW? Lohnt es sich?

Vergleichen wir mit Kernkraftwerken: Der typische Meiler generiert auch 1GW und kostet genauso viel oder noch viel mehr! Wie viel? Komischerweise weiß keiner genau, bis der Meiler fertig ist! Die Betreiber selber können nur „Kostenschätzungen“ für den Bau abgeben. Hier einige aktuelle Beispiele abgegebener Kostenschätzungen für den Neubau neuer Meiler in den USA:

Ort: Florida, USA
Stand: Februar 2008
Betreiber: Florida Power & Light
Kostenschätzung: 3 bis 4 Milliarden Dollar = 2,3 bis 3 Milliarden Euro pro GW

Ort: Florida, USA
Stand: März 2008
Betreiber: Progress Energy
Kostenschätzung: 4,7 Milliarden Dollar = 3,5 Milliarden Euro pro GW

Ort: South Carolina, USA
Stand: Mai 2008
Betreiber: South Carolina Electric and Gas Co.
Kostenschätzung: 4,9 Milliarden Dollar = 3,6 Milliarden Euro pro GW

Ort: South Carolina, USA
Stand: November 2008
Betreiber: Duke Energy Carolinas
Kostenschätzung: 5,5 Milliarden Dollar = 4 Milliarden Euro pro GW

Ort: Alabama, USA
Stand: November 2008
Betreiber: Tennessee Valley Authority
Kostenschätzung: 5 bis 9 Milliarden Dollar = 3,8 bis 6,5 Milliarden Euro pro GW

Ort: Georgia, USA
Stand: April 2008
Betreiber: Georgia Power Company
Kostenschätzung: 8,5 Milliarden Dollar = 6,2 Milliarden Euro pro GW

Und das ist nur für den Bau. Hinzu kommen die Kosten für Uran und Endlagerung. Aber das ist das Thema für einen anderen Beitrag...

Die einzige Kritik, die man an Desertec üben könnte, wäre: 15% der Stromversorgung ist noch zu wenig... Aber man muss irgendwie anfangen, nicht wahr?

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