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Globale Sportveranstaltungen sind großartige Gelegenheiten, Botschaften zu verschicken und sich als Land neu zu positionieren. Die Olympischen Spielen 1964 in Tokyo und 2008 in Peking waren für diese zwei asiatischen Länder eine Art „Coming-Out-Party“: Man war endlich bei den reichen und entwickelten Ländern angekommen. Die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden soll der Welt das andere Gesicht Afrikas zeigen: jung, aktiv, Zukunft gestaltend.

Es wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, den Klimawandel zu thematisieren. Denn Afrika wird dieser besonders hart treffen. Jedoch wurden viele Gelegenheiten verpasst.

Die WM wird sehr viel CO2 verursachen: ca. 2,7 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Die gesamte Schweiz – alle Haushalte, Fabriken, Verkehrsmittel usw. zusammen addiert – stößt in einem Monat ca. 4,4 Millionen Tonnen CO2 aus.

67% der Emissionen gehen auf das Konto der Fernflüge der WM-Besucher. 18% verursacht der zwischenstädtische Transport, da die WM in mehreren Standorten ausgetragen wird. Der Energieverbrauch im Gastgewerbe ist für ca. 12% des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die restlichen 3% werden durch den innerstädtischen Transport, den Stadionbau sowie Energieverbrauch in Stadien und Umgebung.

Darüber hinaus sind die CO2-Pro-Kopf-Emissionen Südafrikas ziemlich hoch. Mit ca. 9 Tonnen im Jahr entsprechen sie denen vieler europäischen Ländern: fast so viel wie Großbritannien (ca. 10 Tonnen) und Deutschland (ca. 12 Tonnen). Grund dafür ist der hohe Anteil von Steinkohle an der Energieversorgung des Landes. Dies läst sich mit einer WM nicht ändern. Jedoch Signale hätte man setzen können.

Im Gegensatz zur WM in Deutschland 2006 wird der CO2-Ausstoß in Südafrika leider nicht ausgeglichen. An Geldmangel kann es nicht liegen. Würde man die gesamte Menge mit CERs der UNO ausgleichen – den hochwertigsten und sichersten Zertifikaten auf dem Markt – würde das ca. 40 Millionen Euros kosten. Verglichen mit dem WM-Gesamtbudget von 3,3 Milliarden Euro ist das wenig.

Verpasste Gelegenheit Nummer 1
Südafrika hat eine einzigartige Gelegenheit verpasst, das Thema Klimawandel und seine Konsequenzen in das Bewusstsein der Weltbevölkerung zu platzieren. Laut FIFA wird die Zahl der Zuschauer für alle Spiele zusammen bei über zwei Milliarden Menschen liegen.

Die FIFA als Turnierveranstalter hätte mehr Umweltbewusstsein vom Gastgeberland Südafrika verlangen können. Oder vorschreiben können. Denn der Anforderungskatalog, den das Gastgebeland erfüllen muss, ist bekanntlich lang und detailliert. Was in Deutschland 2006 freiwillig gemacht wurde, muss ab jetzt zur Pflicht werden: Die WM in Brasilien im Jahr 2014 und alle anderen danach müssen 100% CO2-neutral sein.

Verpasste Gelegenheit Nummer 2
Südafrika hat auch die Gelegenheit verpasst, zu verlangen, dass Afrika einen größeren Anteil an CDM-Projekte bekommen soll. Zurzeit werden nur 2% aller CDM-Projekte in Afrika durchgeführt – verglichen mit 76% für Asien/Pazifik und 22% für Lateinamerika/Karibik. Neben des CO2-Ausgleiches haben CDM-Projekte zwei weitere Ziele: die Förderung einer emissionsarmen Energieinfrastruktur sowie der Technologietransfer in die Entwicklungsländer. Beides hätte der afrikanische Kontinent bitter nötig.

Verpasste Gelegenheit Nummer 3
Afrika hat immense Wüstenflächen, die zur Erzeugung von Solarenergie geeignet sind. Es könnte genug Strom für den ganzen Kontinent und für andere Länder erzeugt werden. Die Nähe zu Europa bietet die Chance einer erfolgreichen Zusammenarbeit – Stichwort „Desertec“. Afrika sollte vom Großexporteur Erdöls (Nigeria, Angola und Libyen) zum Großexporteur Solarenergie werden. Was fehlt? Kapital und Technologie. Die Fußball-WM wäre ein großartige Bühne gewesen, das Projekt vorzustellen und um Investoren zu werben.

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